Tach wir haben Monday, 20.11.2017

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Schaben

(Blattodea spez.)


Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Orientalische Schabe (Blatta orientalis)

Braunbandschabe (Supella supellectilium)

Albinoschaben

Amerikanische Schabe (Perilanetta americana)

Schaben repräsentieren eine uralte, aber erfolgreiche Gruppe von Insekten, die bereits im Karbon vor 200 Mio. Jahren auf der Erde existierte. Dies beweisen Fossilien, die Schaben von damals in der heutigen Gestalt zeigen. Die Tiere lebten im Dämmerlicht des Bodenstreus tropischer Wälder. In unserer Klimazone dagegen gewährleistet nur die enge Nachbarschaft zum Menschen und das ganzjährige Vorhandensein von Wärme und Feuchtigkeit das Überleben dieser Insekten. Schaben werden in unserer Zeit durch die engen, weltweiten wirtschaftlichen Verknüpfungen durch den Austausch von Waren in kurzer Zeit und über lange Distanzen schnell verbreitet. Niemand kann sich heute davor schützen, mit Verpackungen, Lebens- oder Gebrauchsmitteln Schaben einzuschleppen. Finden die Insekten nach der Einschleppung ideale Lebensbedingungen vor, ist in wenigen Wochen bereits ein starker Befall entstanden. Diese Insektenart legt Eipakete  ab, die von einem Chitinpanzer geschützt sind und somit kaum von Schädlingsbekämpfungsmitteln angegriffen werden können. In einem Eipaket sind bis zu 40 Einzeleier enthalten. Die jungen Tiere (Nymphen) schlüpfen in einem Zeitraum von 2 Wochen bis zu 8 Monaten, je nach Temperaturgegebenheiten, aus. Schaben verursachen hygienischen Schaden. Sie können mit ihren Exkrementen oder durch direkten Kontakt mit infizierten Materialien, z. B. Lebensmitteln, folgende Krankheiten übertragen:

  • Salmonellose (Typhus, Paratyphus)
  • Tuberkulose
  • Lepra
  • Eiterungen
  • Wurmkrankheiten

Schaben verursachen materiellen Schaden. Sie verderben durch ihre Exkremente, Nymphenhäute und Eipakete Lebensmittel, die nicht weiter verkauft werden dürfen. Es baut sich in Lebensmittelbereichen durch Einschleppung oder Zuwanderung sehr schnell ein neuer Schabenbefall auf, wenn nicht regelmäßige Behandlungen/Inspektionen durchgeführt werden. Schaben verursachen auch psychologischen Schaden. Einer der Hauptgründe für ihre Bekämpfung ist der Ekel, den viele Menschen vor diesen Tieren haben. Mitarbeiter werden vergrault, das Betriebsklima und der gute Ruf sind gefährdet. Da Schaben auf ihren Streifzügen mit hochinfektiösen Keimen in Berührung kommen können, ist die Bekämpfung in Krankenhäusern Pflicht. Ebenso schreibt die Lebensmittelhygiene-Verordnung vor, dass Schädlingsbefall im Nahrungsmittelbereich bekämpft werden muss. Kontrolleure dürfen jederzeit die Räumlichkeiten prüfen. Bei Verstößen folgen hohe Auflagen bzw. Strafen.

Bekämpfung & Kontrolle:

Der Lebensstandard der Bevölkerung hat sich seit Mitte dieses Jahrhunderts in Mitteleuropa drastisch verändert. Moderne Gebäude mit Zentralheizung, Teppichböden und optimaler Dämmung sorgen für ein gleichmäßig warmes Wohnklima. Hinzu kommen die großtechnische Produktion von Nahrungsmitteln und die Intensivierung des Welthandels. Durch die Verbesserung des Lebensstandards kommt es aber auch zu einer verstärkten Einwanderung von Schaben in den Lebensraum des Menschen, was u. a. zur Vernichtung oder Kontamination von Lebensmitteln oder zur Verbreitung von Krankheiten führen kann. Die Schädlingsbekämpfung liefert hier einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Lebensqualität. Schaben können praktisch in jedem Bereich auftreten, in dem Nahrungsmittel gelagert oder verarbeitet werden. Lebensmittelverarbeitende Betriebe sind hierbei natürlich besonders gefährdet. Privatwohnungen werden ebenfalls häufig befallen. Für den Betreiber z. B. einer Großküche hat ein Schabenbefall, der nicht bekämpft wird, einen schwerwiegenden wirtschaftlichen Schaden zur Folge.

Die Bekämpfung von Schaben kann nach den Kriterien des "Integrated Pest Management" in 5 Stufen gegliedert werden:
  1. Vorbeugung
  2. Die Vorbeugung besteht aus einer regelmäßigen Kontrolle gefährdeter Bereiche auf Schabenbefall. In lebensmittelverarbeitenden Betrieben und Großküchen ist eine regelmäßige Inspektion angelieferter Waren wichtig. Zusätzlich muss mit baulichen Maßnahmen verhindert werden, dass Schaben geeignete Versteckmöglichkeiten in der Nähe ihrer Nahrungsquellen finden können. Mauerritzen, fehlende Klebemasse und Fugenauskleidung bei Fliesen sowie Mauerdurchbrüche im Zuge der Verlegung von Leitungen und Rohren, die nicht ordnungsgemäß verschlossen wurden, bieten den Schaben Versteckmöglichkeiten, in denen die Tiere nur schwer bekämpft werden können.
  3. Hoher Hygienestandard
    Hierunter fällt neben der allgemeinen Sauberkeit auch die Entfernung von Futter- und Feuchtigkeitsquellen.
  4. Regelmäßige Inspektionen
    Hierbei werden alle infrage kommenden Bereiche auf Befall hin untersucht (z. B. mit Hilfe von Klebefallen). Werden Schaben gefunden, so ist die Bestimmung der Art wichtig, um eine gezielte Bekämpfung einzuleiten.
  5. Behandlung
    Vor der eigentlichen Behandlung ist eine detaillierte Befallserhebung nötig, in die neben dem eigentlichen Befallsherd auch Kellerräume (besonders Heizungsanlagen), die Wärmeaustauscher der Kühlräume o. ä. einbezogen werden. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Verbindungswege zwischen der Küche und umliegenden Gebäudeteilen zu richten. Dies können u. a. Versorgungsschächte (z. B. Abluft- oder Abwasserleitungen), Leitungen der Zentralheizung, Rohre für elektrische Leitungen, Transportbänder, Versorgungsaufzüge u. a. sein. Die Befallsermittlung kann mit Hilfe von Klebefallen durchgeführt werden. Für die eigentliche Behandlung stehen eine Reihe von Verfahren zur Verfügung (Spritzmittel, Stäube, Nebelpräparate, Gele, insektizide Lacke usw.). Bei geringem Befall können auch Köderdosen oder Klebefallen eingesetzt werden. In den Bereichen, in denen Larven festgestellt werden, ist die Verwendung von  Wachstumshemmern vorteilhaft. Im Rahmen der biologischen Bekämpfung wird die Anwendung von Pilzen und Nematoden (Fadenwürmern) diskutiert.
  6. Inspektion des Behandlungserfolges
    Der Behandlungserfolg muss überprüft werden (z. B. mit Klebefallen). Die Beachtung ihrer Lebensweise und der Einsatz geeigneter Behandlungsverfahren sind damit Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Bekämpfung von Schaben. Die Besonderheiten der ökonomisch wichtigsten Schabenarten, die bei der Bekämpfung beachtet werden müssen, sind im folgenden nochmals kurz dargestellt.

Die Deutsche Schabe verursacht in den gemäßigten Breiten die meisten Schäden im Vergleich zu den übrigen genannten Arten. Die jungen Larven halten sich vor allem in feucht-warmen Bereichen auf. Da die Weibchen ihre Eipakete erst kurz vor dem Schlüpfen der Larven ablegen, besteht nicht die Gefahr, daß die Eier innerhalb der Oothekenkapsel eine chemische Bekämpfung überleben können, wie dies z. B. bei den im folgenden genannten Schabenarten der Fall ist.

Bei der Bekämpfung der Braunbandschabe ist besonders auf die Vorliebe dieser Art für hohe Temperaturen und auf die versteckt angebrachten Eibehälter zu achten. Die großflächige Verteilung im Haus macht das Auffinden der Tiere während einer Inspektion etwas schwieriger als bei der Deutschen Schabe. Der Vorliebe der Braunbandschabe für elektronische Geräte und EDV-Anlagen muss mit entsprechenden Bekämpfungsverfahren Rechnung getragen werden (z. B. Köderdosen und Schabengele).

Die Orientalische Schabe lebt vor allem im Bodenbereich und breitet sich häufig über die Kanalsysteme aus. Die Tiere können sich über kurze Distanzen schwimmend fortbewegen. Da die Orientalische Schabe über Kanalsysteme und dergleichen auch aus entfernter gelegenen Objekten einwandern kann, ist die Bestimmung des Befallsursprungs für den Bekämpfungserfolg wichtig. Auf die Eibehälter, die gut gegen äußere Einflüsse (z. B. Insektizide) geschützt sind, ist bei der Bekämpfung ein besonderes Augenmerk zu richten.

Speziell bei der Amerikanischen Schabe müssen die Abwassersysteme der Gebäude in die Behandlung einbezogen werden, in wärmeren Gebieten auch die Außenanlagen im Umkreis der Häuser. Einzelne Imagines deuten auf eine Einwanderung durch offene Fenster hin, z. B. in Hotelzimmern. Aufgrund der versteckten Ablage der Ootheken speziell in Kanalsystemen sind wie bei der Orientalischen Schabe mehrere Behandlungen erforderlich.

Chemische/biologische Bekämpfung

Trotz optimaler Hygiene lässt sich die Einschleppung von Schaben nie ganz verhindern. Gleiches gilt für physikalische und konstruktive Maßnahmen. Auf eine chemische Bekämpfung kann daher in den meisten Fällen nicht verzichtet werden. In der Regel kommen Kontakt- und Fraßinsektizide zum Einsatz. Bei einem geringen Befall reicht es aus, Köderdosen aufzustellen, die insektizidhaltige Futterstoffe enthalten. Bei starkem Befall werden flüssige Spritzmittel flächendeckend auf alle Flächen, die von den Schaben begangen werden, gesprüht sowie in die Aufenthaltsorte, soweit diese erreichbar sind. Eine Vernebelung mit z.B. pyrethrumhaltigen Präparaten sowie die Ausbringung insektizider Stäube sind ebenfalls möglich (z. B. im Bereich elektrischer Anlagen). Eine ordnungsgemäße Behandlung setzt eine sorgfältige Vorbereitung der Räume voraus. Alle Lebensmittel müssen aus den Räumen entfernt werden. Oberflächen, auf denen Lebensmittel zubereitet werden (z. B. Tische, Schneidebretter), müssen mit einer Folie abgedeckt werden, die von dem zu verwendenden Spritzmittel nicht durchdrungen wird. Vor der erneuten Nutzung der behandelten Räume muss eine Dekontamination der behandelten Bereiche erfolgen. Der gezielte, punktuelle Einsatz insektizider Gele ist besonders in lebensmittelverarbeitenden Betrieben und in Großküchen eine elegante Lösung, da keine großflächige Kontamination mit dem Bekämpfungsmittel erfolgt und die Gele nach der Tilgung des Schabenbefalls leicht wieder entfernt werden können. Eine elegante Methode ist der Einsatz von Insekten-Wachstumsregulatoren (z. B. Juvenilhormon-Analoge oder Häutungshemmstoffe) in den Bereichen, in denen bei der Befallskontrolle Larvenstadien gefunden wurden. Aus toxikologischer Sicht sind Larvizide günstiger als die meisten Kontaktinsektizide, da ihre Wirkweise spezifisch auf die Insektenentwicklung abgestimmt ist. Eine biologische Bekämpfung der Schaben ist ebenfalls möglich. Die biologischen Verfahren basieren z. B. auf Pilzen, Bakterien und Nematoden. Schabenköder und Klebefallen können mit Pheromonen attraktiver gestaltet werden. Die genannten Möglichkeiten führen - allein angewendet - in der Regel nur zu einer Verringerung der Schädlingspopulation, nicht aber zur Tilgung des Befalls. Die Aufgabe der Schädlingsbekämpfer ist es, die genannten Verfahren in optimaler Weise zu kombinieren, um mit möglichst wenig Aufwand eine Tilgung und ggf. einen präventiven Schutz gegen Schaben herbeizuführen.

Schlussbetrachtung

Die Schaben haben seit Jahrmillionen ihre ursprüngliche, versteckte Lebensweise bewahrt. Ihr Erfolg bei der Besiedelung neuer Lebensräume ist nicht zuletzt auch auf ihr breites Nahrungsspektrum zurückzuführen, das sie sowohl zu den gefürchtesten Schädlingen im menschlichen Umfeld als auch zu nützlichen Waldöko-Systemen nicht wegzudenken sind. Ihre starke Vermehrung ist eine weitere Voraussetzung für die Eroberung neuer Lebensräume. Die Schaben sind damit eine der erfolgreichsten Ordnungen im Tierreich und werden trotz aller Bekämpfungsmaßnahmen auch in Zukunft einen Weg finden zu überleben.